Persönliche Eindrücke vom Bücherflohmarkt der Evangelischen Jugend
Der Besucher eines Bücherbasars macht sich sicherlich kaum Gedanken darüber, wie viel Arbeit und Zeit im Vorfeld und im Nachhinein von den freiwilligen Helfern investiert werden müssen. Der sonst eher recht nüchtern wirkende Gemeinderaum hatte sich in ein "Bücherparadies" verwandelt! Grob nach Sparten sortiert türmte sich in offene Bücherkisten und -kartons gepackter Lesestoff auf in Reihen angeordneten Tischen. Auch unter den Tischen war jeder freie Platz genutzt. Das vielfältige Angebot umfasste fast alle Lesebereiche: Krimis, Romane, Kinderbücher, Lexika etc. In diesem Jahr nahm ich erstmals als Helferin beim Verkauf von Büchern teil. Mein Herz schlug merklich höher, als ich die vielen Bücher sah. Was für ein herrlicher Anblick! Für mich wäre ein Leben ohne Bücher überhaupt nicht vorstellbar. Der für Bücher typische - für mich angenehme - Geruch schlug mir entgegen. Da der Buchverkauf zunächst recht schleppend begann, nahm ich mir die Zeit, im Buchangebot herumzustöbern. Ich schlenderte durch die Reihen mit den Büchern, überflog Titel, zog hier und da ein Buch heraus, blätterte darin herum, las mich hier und da fest. Für mich war es erneut erstaunlich, zu sehen, wie unterschiedlich kleine Kinder und Erwachsene auf Bücher zugehen. Erwachsene verhalten sich in der Regel ähnlich wie ich. Es sei denn, sie suchen gezielt nach einem bestimmten Autor oder Sachgebiet. Kinder dagegen lassen sich meist von Bildern auf einer Titelseite fesseln oder fühlen sich von einer ihrer Lieblingsfiguren angezogen, wie beispielsweise Pumuckl. Einige Kinder nehmen sich ein Buch, knien oder setzen sich auf den Fußboden und tauchen nach einigen Minuten völlig selbstvergessen in eine andere Welt ein. Ein faszinierender Anblick - immer wieder!
Während der zwei Tage hatte ich die Gelegenheit, einige intensive Gespräche mit Buchinteressierten zu führen. Zwei davon möchte ich kurz andeuten, da sie mir sehr viel bedeuten. Zum einen tauschte ich mich mit einem älteren Märchensammler aus. Er gab mir einen wertvollen Tipp für eine bedeutende Märchensammlung, die mir unbekannt war. Zum anderen traf ich auf einen amerikanischen Lehrerkollegen, der in Hannover Immigrantenkinder ehrenamtlich betreut. Er war und ist auf der Suche nach Arbeitsmaterialien. Glücklicherweise wurde er fündig, wenn auch nur in sehr begrenztem Rahmen. Am zweiten Tag war der Bücherflohmarkt besser besucht. Wie tags zuvor spielte der Wettergott mit. Es war nicht sehr warm; einige Regentropfen konnten aber keineswegs das Interesse an Büchern mindern. Das "Geschäft" florierte. Aufmerksame Helfer sorgten dankenswerterweise auch für das leibliche Wohl der "Buchverkäufer". Hier wurde eine Bratwurst gereicht, dort ein Stück Kuchen, ein Becher Kaffee.
Nach diesen zwei Tagen konnte ich für mich als Ergebnis mit nach Hause nehmen, dass solche Veranstaltungen in vielerlei Hinsicht wirksam sein können: Hauptsächlich zählt zunächst sicher der kommerzielle Gesichtspunkt. Das ist sicher das Hauptanliegen für die Ausrichtung des Bücherflohmarktes. Darüber hinaus aber scheinen mir die sozialen und kommunikativen Komponenten relevant zu sein: Man kommt ins Gespräch mit Menschen verschiedener Altersgruppen, man lernt sich kennen. Außerdem ist es doch recht erstaunlich, dass sehr unterschiedliche Persönlichkeiten bei solchen Aktionen so gut zusammenarbeiten können. Mit unserer Diakonin Ilona Wewers sprach ich über diese soziale Komponente. Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen: Ich freue mich auf den nächsten Bücherflohmarkt.
Bad Salzdetfurth, den 04.Juni 2007 Gabriele von Horn |